Katzen kann man nicht erziehen. – Oder doch?

Katzen kann man nicht erziehen. – Oder doch?

Inhaltsverzeichnis

    Im Gegensatz zu Hunden, die ihren Menschen gerne gefallen wollen, sind Katzen deutlich unabhängiger und eigenständiger, mitunter auch dickköpfig. Als Raubtiere, die allein auf die Jagd gehen, sind sie nicht darauf angewiesen, mit anderen zu kooperieren. Deshalb heißt es häufig, man könne Katzen nicht erziehen. Aber stimmt das? Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter widersprechen hier klar. Zwar lassen sich Katzen nicht so leicht Tricks beibringen wie Hunden, doch auch eine Katze kann lernen, was sie darf und was nicht. Ob sie sich immer an diese Regeln hält, steht dann noch auf einem anderen Blatt. In diesem Ratgeber erfährst du, wie Katzenerziehung wirklich funktioniert.

    Die drei Grundsätze der Katzenerziehung

    Das Zusammenleben von Mensch und Katze klappt deutlich harmonischer, wenn die Katze einige wichtige Grundregeln kennt – zum Beispiel, dass sie am Kratzbaum kratzen soll und nicht an der Tapete, oder dass Orte wie der Esstisch oder das Bett tabu sind. Doch wie bringen wir ihr bei, was gewünscht und was verboten ist? Drei Grundsätze bilden das Fundament jeder erfolgreichen Katzenerziehung.

    Geduld

    Die wichtigste Grundregel bei der Katzenerziehung ist Geduld. Die meisten Katzen haben nicht das Bedürfnis, dem Menschen zu gefallen und ständig zu tun, was er gerne hätte. Daher braucht es Zeit und mitunter viele Fort- und Rückschritte, wenn man der Katze etwas beibringen möchte. Das liegt nicht daran, dass Katzen nicht schlau wären – sie sehen schlicht keinen Grund, alles zu tun oder zu lassen, was der Mensch möchte, auch wenn sie sehr wohl verstehen, was von ihnen erwartet wird.

    Konsequenz

    Die zweite wichtige Grundregel ist Konsequenz. Was heute gilt, muss auch morgen gelten. Der Katze einmal etwas durchgehen zu lassen und es dann wieder zu verbieten, führt nicht nur zu Verwirrung, sondern auch dazu, dass die Katze die Regel nicht ernst nimmt und erst recht nicht einsieht, warum sie sich daran halten soll.

    Positive Verstärkung

    Der dritte Grundsatz ist positive Verstärkung. Katzen lernen deutlich besser, wenn gewünschtes Verhalten belohnt wird, als über Bestrafung bei unerwünschtem Verhalten.

    Katzenerziehung in der Praxis: So setzt du es um

    Wenn die Katze etwas tut, was sie nicht soll, muss der Mensch ihr das mit einem kurzen, eindeutigen Kommando sagen. Das kann ein bestimmtes „Nein!“ sein oder auch ein „Runter!“ oder „Aus!“. Wichtig ist, dass das Kommando immer das gleiche ist und sofort in dem Moment kommt, in dem die Katze das unerwünschte Verhalten zeigt – sonst kann sie keinen Zusammenhang herstellen.

    Wenn das Stimmkommando nicht ausreicht, kann es helfen, die Katze schlicht vom Ort wegzunehmen und woanders hinzusetzen oder sie durch kurzes In-die-Hände-Klatschen aufzuschrecken. Bei manchen Katzen hilft es, sie mit einer Sprühflasche mit Wasser anzusprühen. Dabei sollte das Wasser für die Katze jedoch praktisch aus dem Nichts kommen und nicht mit dem Menschen, sondern mit dem Verhalten in Verbindung gebracht werden. Das funktioniert allerdings nur bei wasserscheuen Katzen – und entgegen des gängigen Klischees sind nicht alle Katzen wasserscheu.

    Katzen anzuschreien bringt übrigens gar nichts, außer dass die Katze verängstigt und die Beziehung zwischen Mensch und Katze beschädigt wird. Katzen haben sehr empfindliche Ohren, Schreien tut ihnen weh. Genauso wenig hilft Schimpfen im Nachhinein: Die Katze versteht dann nicht, dass der Ärger mit etwas zusammenhängt, das sie vor Minuten oder Stunden getan hat. Körperliche Gewalt gegen die Katze kommt selbstverständlich niemals infrage.

    Wenn wir der Katze klargemacht haben, was sie nicht soll, müssen wir ihr auch zeigen, was sie stattdessen tun soll. Kratzt sie an der Tapete, setzen wir sie an den Kratzbaum. Erwünschtes Verhalten loben und belohnen wir – über stimmliches Lob oder über Leckerchen. Viele Katzen sprechen auch gut auf Clickertraining an und lernen damit sogar Kunststücke und Tricks.

    Typische Erziehungssituationen und ihre Lösung

    Stubenreinheit

    Katzen haben das natürliche Bedürfnis, ihre Exkremente zu vergraben. Daher sind die meisten Katzen automatisch stubenrein, wenn es außer dem Katzenklo keinen Ort zum Buddeln gibt. Wichtig ist, der Katze beim Einzug einmal zu zeigen, wo das Katzenklo steht. Viele Katzen mögen ihr großes und kleines Geschäft nicht am selben Ort verrichten – deshalb empfehlen Experten zwei Katzenklos pro Katze. Katzenklos sollten an einem ruhigen Ort stehen, nicht in der Nähe von Futter oder Wasser. Wird eine bisher stubenreine Katze plötzlich unsauber, kann das ein Zeichen für ein körperliches oder seelisches Problem sein – dann lohnt der Gang zur Tierärztin oder zum Tierarzt.

    Betteln abgewöhnen

    Um Katzen das Betteln gar nicht erst anzugewöhnen, gibt man ihnen am besten niemals etwas vom Tisch ab. Dann kommen sie erst gar nicht auf die Idee, dass Menschen-Essen etwas für sie sein könnte. Vieles, was wir essen, ist für Katzen ohnehin ungesund oder sogar schädlich. Bettelt die Katze bereits, hilft nur, eine Zeit lang konsequent hart zu bleiben, bis sie merkt, dass sie nichts abbekommt.

    Beißen und Kratzen gegenüber Menschen

    Kratzt oder beißt eine Katze, wenn man sie anfassen möchte, will sie meist einfach in Ruhe gelassen werden. Beißt sie jedoch beim Spielen oder Schmusen plötzlich zu, sollte man bestimmt „Nein!“ sagen und die Kuscheleinheit sofort abbrechen, damit die Katze lernt, dass das nicht in Ordnung ist. Sanftes Knabbern an der Hand beim Kuscheln ist dagegen meist ein Liebesbeweis und nicht böse gemeint.

    Kratzen an Möbeln, Teppichen und Wänden

    Auch hier ist die erste Maßnahme das bestimmte „Nein!“ und das Umsetzen an den Kratzbaum. Nutzt die Katze den Kratzbaum bereits fleißig und vergreift sich trotzdem an der Einrichtung, kommen die oben beschriebenen Umsetzungs-Maßnahmen hinzu.

    Häufige Fragen (FAQ)

    Kann man eine Katze überhaupt erziehen?

    Ja. Katzen lassen sich zwar nicht so leicht dressieren wie Hunde, lernen aber sehr wohl, welches Verhalten erwünscht ist und welches nicht – vorausgesetzt, man arbeitet mit Geduld, Konsequenz und positiver Verstärkung.

    Ab welchem Alter sollte man mit der Katzenerziehung beginnen?

    Am besten von Anfang an, sobald die Katze bei dir einzieht. Kitten lernen besonders schnell, aber auch erwachsene Katzen können neue Regeln verinnerlichen.

    Ist eine Sprühflasche zur Erziehung sinnvoll?

    Nur bei wasserscheuen Katzen und nur, wenn das Wasser scheinbar aus dem Nichts kommt und nicht mit dir in Verbindung gebracht wird. Anschreien oder Bestrafen ist dagegen kontraproduktiv.

    Warum wird meine stubenreine Katze plötzlich unsauber?

    Unsauberkeit kann auf Stress, Unzufriedenheit oder eine Erkrankung hindeuten. Prüfe, ob sich etwas verändert hat, und ziehe im Zweifel die Tierärztin oder den Tierarzt zurate.